Lappland 2020

Das Flugzeug landet auf der schneebedeckten Piste. Emsig ameisenartige Arbeiter in leuchtenden Westen bekämpfen den Winter mit dampfenden Schläuchen, schweren Schaufeln und giftigen Mitteln. Das schlechte Gewissen, schon wieder mit dem Flugzeug unterwegs zu sein, ist hier besonders stark. Mir ist der Widerspruch auch klar, dem zu warmen Winter in der Schweiz mit einem Flug in den Norden zu entfliehen.

Dieser Ort ist wie eine Droge. Das erklärt vielleicht auch meinen rücksichtslosen Beitrag an die Zerstörung dieser Welt. Wie ein Süchtiger hänge ich an der Nadel mit Namen Lappland. Der erste kalte Atemzug in finnischer Luft berauscht mich. Ich will mein Gesicht in den Schnee drücken. Ich will die Schönheit, den Winter in mich hineinfressen. Will Teil der weissen, endlosen Tundra werden, will ein krummes Gewächs im infiniten Wald nordischer Kiefern sein. Doch der Mensch in mir drückt durch und ich spüre, dass ich es besitzen will. Spüre, dass irgendetwas in mir hinausschreien und dem Rest der Welt dieses Paradies entreissen will. Ich will es irgendwo verstauen, es wie ein dunkles Geheimnis hüten, es sich selbst überlassen und zusehen, wie es immer rauer und wilder wird, bis kein Mensch es mehr ertragen kann.

Es nützt alles nichts. Dank meiner Kamera, kann ich wenigstens die Erinnerung daran festhalten. Diese aber teile ich gerne.

Flüchtig wie ein Gedanke an den finnischen Winter, in der sengenden Hitze eines Südalpensommers, habe ich Lappland in einem kurzen Video festgehalten. Abstrakt, irgendwie intensiv, viel zu kurz und niemals mit dem Original vergleichbar.